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  • Dipl.-Soz. Iris Wieg, HPP

Corona - oder wenn Veränderungen nur über Krisen möglich sind ...

dann könnten wir ja mal überlegen, welche positiven Aspekte diese Krise - neben allen Einschränkungen - haben kann.


Ihnen geht es vermutlich wie mir in diesen Tagen: Man arbeitet viel von zu Hause, fühlt sich evtl. auch mehr oder weniger sozial isoliert, oder durch plötzliche Dauernähe zu Mann / Frau, Kind(ern), Hund und Katz' irritiert. Auf der Haben-Seite gehen aber die meisten von uns auch sehr viel mehr 'raus, in den eigenen Garten (in diesen Zeiten ein grosser Luxus) oder einfach in die Natur, wo wir sehr viel mehr Zeit mit unseren Lieben verbringen als das normalerweise je der Fall war. Und es geht - irgendwie - dank Homeoffice und einer sehr viel flexibleren Alltagsgestaltung.


Und wenn wir dann so durch die Natur wandern, lassen wir unseren Blick vielleicht schweifen, in die Ferne oder auch schonmal nach oben, und je nachdem wie verbunden wir mit der Natur sind, wie gut wir uns auskennen, graust es uns dann. Denn trotz des in diesen sonnigen Tagen fortschreitenden Frühlings sehen wir dann das, was die hessische Umweltministerin vor Kurzem auch im Radio verkündigt hat: Fast jeder Baum ist geschädigt, man sieht überall vollkommen oder teilweise vertrocknete Baumkronen, sehr viel Holzbruch, streckenweise geradezu Kahlschläge, verursacht durch die trockenen Sommern davor. Machen wir uns nichts vor, sollte es weiterhin zu der in den letzten Jahren aufgrund der weltweiten Klimaveränderung beobachteten Verzerrung der Jahreszeiten und den damit einhergehenden grossen Trockenperioden kommen, könnte das zu einer Krise werden, die über die momentane weit hinaus geht. Denn der zunehmend vertrocknende und für Baumkrankheiten anfällige Wald ist ja unser Grundwasserreservoir und unser Sauerstoffproduzent.


Gleichzeitig hilft Corona momentan sicherlich, unser inzwischen recht fragiles Ökosystem vorübergehend ein klein wenig zu schützen: Wir alle fahren weniger Auto, der Flugverkehr ist fast zum Erliegen gekommen. Unser Leben hat sich entschleunigt. Man kann / muss sich stärker mit dem Wesentlichen (ein wunderbarer Begriff, gell?!) beschäftigen. Fast alle Leute, mit denen man so in's Gespräch kommt auf seinen Exkursionen in's Freie, berichten erstaunlicherweise davon, und dass ihnen das gut tut. Die Kinder leiden zwar darunter, dass sie nicht mehr auf die Spielplätze dürfen und ihre kleinen Kumpels leider nur von Weitem zuwinken sollen - was in der Realität fast nicht machbar ist. Gleichzeitig merken die Eltern aber, dass auch die lieben Kleinen ganz gut ohne die vielen Freitzeittermine, die inzwischen ja üblich sind, auskommen.

Das Wesentliche greift also, natürlich bei jedem und jeder anders, aber es läuft.


Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren birgt freilich auch Gefahren. Der eine oder die andere wird plötzlich auf eine Weise mit sich selbst konfrontiert, die man bisher durch einen lärmenden Alltag erfolgreich vermeiden konnte, und nun ist nichts mehr los und man sieht sich plötzlich gezwungen, die Beziehung zum Selbst zu ertragen. Eine grosse Chance zu innerem Wachstum. Ehrlich! Sollte Ihnen das Angst machen, seien Sie gewisse, dass diese Angst ihr Freund ist. Sie will sie schützen, Ihnen die Auseinandersetzung mit unangenehmen Fragen, Zweifeln etc. ersparen. Aber hilft's denn? Nein, weder das Vermeiden der Angst hilft weiter, noch das Bestehen darauf, dass schon alles in Ordnung sei. Die derzeitige Krise bietet auf individueller Ebene eine Möglichkeit, sich mit dem Zustand des eigenen Ökosystems - wie mit dem des uns alle umgebenden - zu konfrontieren.


Nehmen wir das beherzt auf uns, es lohnt sich! Denn wer in der jetzigen Situation erlebt, was alles möglich ist an aktiver Veränderungsarbeit, der sollte doch Hoffnung schöpfen, dass wir als Einzelne und im gesellschaftlichen Zusammenhang konstruktiv (also sinnvoll) mit Krisen umgehen können.


Bleiben Sie gesund!

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