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Praxis Iris Wieg, Tel. 0151 4164 1208, email: info@psychologische-praxis-wieg.de

Die Systemische Therapie gehört zu den gegenwärtig wissenschaftlich anerkannten und empirisch wirksamsten Therapiemethoden. Entwickelt in den 60ger bis 80ger Jahren des letzten Jahrhunderts, basiert sie auf so unterschiedlichen theoretischen Bausteinen wie der Kybernetik, dem Radikalen Konstruktivismus, der Theorie autopoietischer Systeme und der Systemtheorie Niklas Luhmanns. Inzwischen ist die Systemische Therapie und Beratung sowohl im therapeutischen Kontext wie auch in der Beratung von Einzelpersonen und Unternehmen etabliert.

Eine systemtherapeutische Arbeitsweise zeichnet sich u. a. dadurch aus, dass Diagnosen zunächst einmal "nur" als psychiatrisch notwendige Beschreibungen betrachtet werden. Diagnosen sind gut, insofern als man dann weiss, worüber man redet. Ungünstig kann es werden, wenn Betroffene diese Beschreibung mit der absoluten und unabänderlichen Wahrheit gleichsetzen - wie es im Alltagsbewusstsein leicht geschehen kann. Ein therapeutisches Vorgehen könnte hier so aussehen, dass ich einen Klienten, der sich selbst als depressiv bezeichnet, zunächst einmal in seiner Sichtweise hinterfrage. Bezieht sich "depressiv" auf die Tatsache, dass er unter starken depressiven Symptomen leidet (die dann sicherlich vorrangig medikamentös zu behandeln sind) oder darauf, dass er Angst hat ein bestimmtes Schicksal zu erleiden, von dem er glaubt es sei in seiner Familie "angelegt" - oder dass er unter "depressiv" etwas ganz anderes versteht? Diagnosen (wie alle anderen Erklärungen, die ein Mensch für sich selbst und andere in Erwägung zieht) schaffen (Un-)Sinn, indem sie andere denkbare Möglichkeiten aussortieren. So reduzieren wir ansonsten nicht überschaubare Komplexität ... Da Sinn - oder Unsinn - eines Verhaltens jedoch nicht immer zeitnah reflektiert werden kann, kommt es bekanntlich vor, dass man bisweilen sehr lange an ziemlich unsinnigem Verhalten festhält. Die Gründe dafür mögen in der Vergangenheit einmal sehr sinnvoll gewesen sein, sind es in der Gegenwart (d. h. in einem veränderten Kontext) jedoch häufig nicht mehr - was zu Reibungsverlusten in Form psychischer Störungen führen kann.